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Kölnpfad 2016




  „Den Weg zu finden, ist Teil der Challenge“,

schrieb Tom in der Ausschreibung. Es war in der Tat so!.

Fantastisch um so mehr die Siegerzeit von etwas über achtzehn Stunden. Das alles kann hier nachgelesen werden   auf der Koelnpfad - HP.
Doch ich will wieder der Reihe nach berichten.

Am Freitag habe ich vor der Anfahrt noch etwas geschlafen. Dann hat mich Dagmar zum Zug gebracht und ich war mit Bahn und S-Bahn schnell am Thuleweg in der Bezirkssportanlage.
Ein großes Schild stand am Anfang, welches ich ob der Größe wohl zuerst übersehen hatte.

Herzlich wurde ich von Tom begrüßt, der gerade dabei war, die Lautsprecher aufzustellen.
Alles war liebevoll und hervorragend von Tom und Torsten organisiert. Ein tolles Helferteam unterstützte ganz hervorragend die Veranstaltung. Ich war früh da, holte mir die Startunterlagen, schwatzte mit Dagmar, die an der Startnummernausgabe alles managte und die ich seit Jahren kenne.
Alles gut!

In den Umkleideräumen traf ich Roland und Rolli. Kleines Schwätzchen gefällig? Danach legte ich mich noch ein paar Minuten auf die Bank im Umkleideraum und bald kam auch Joachim, der mich vor dem Start noch moralisch unterstützen wollte. Wir schwatzen noch etwas, er wünschte mir gutes Gelingen und wir verabredeten uns für die letzten Kilometer.

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Stillleben im Zug.
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Glücklich im Ziel.

Dann ging ich bald zum Start.
Es gab die Tracker, die nicht alle unterwegs funktionierten, wie sich bald herausstellte, die letzten Unterweisungen und viele bekannte Gesichter. Meine Stimmung hob sich immer mehr. Man klopfte mir hier und da auf die Schulter, wir wünschten uns viel Glück für den Lauf.

Dann ging es auf die Strecke. Zuerst durch Dünnwald, wo das Feld bald an einer Bahnanlage getrennt wurde.
Zum Anfang sah ich Conny, die dann zweite Frau wurde, immer mal wieder. Auch mit der Siegerin bei den Frauen lief ich zum Anfang immer mal wieder. Frank und ich waren virtuos an den Garmin Geräten, um die Strecke zu finden, und wir liefen die erste 38 Km bis zum ersten großen VP zusammen. Es war angenehm!

Die Beschilderung ist für Läufer teilweise ungünstig angebracht. Manchmal fehlt sie an einigen Stellen. Ich wurde das Gefühl nicht los, das einige nicht nachdenkende Zeitgenossen, auch mal ein Schild umgedreht hatten oder abgeräumt haben. Zum Glück wurden sogar noch Karten vom Kölnpfad am Start ausgegeben, und ich hatte das Garmin dabei.

Bald wurde es hell.

Davor die Lichter der Stadt. Die Lichter der Industrieanlagen. Im Wald auch schon mal ein Käuzchen, welches uns zurief: „Kuwitt“, was sich anhörte wie: „Komm mit!“ Aber wir wollten ja nur laufen.
Es sollten 171 Km werden und es wurde sicher bei fast allen Läufern auf der Gesamtstrecke mehr.

Bei mir am Ende ca. 182 Km.
Den ersten unbemannten VP verpasste ich und andere auch.

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Vor dem Start.
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VP.

Aber ich hatte so und so einen Liter Getränke plus einen halben Liter Reserve dabei. Also keine Probleme. Die Fassbrause vom Sponsor vor dem Start habe ich auch ausführlich genossen.
Auf der offiziellen Seite des Laufes kann alles nachgelesen werden. Manches musste aufgrund von Bauarbeiten noch sehr kurzfristig geändert werden. Der VP2 wurde von uns bald über den Rheindamm erreicht und befand sich aufgrund von Bauarbeiten auch an anderer Stelle. Kein Problem. Überall nette Helfer, tolle Verpflegung und tolle Stimmung. Die nächsten VPs haben wir alle gefunden.

An einigen Seen, in Pesch zum Beispiel, mussten wir den Weg etwas abseits laufen, da es aufgrund des Hochwassers, sehr feucht war. Unterwegs schlossen sich 110 Km Läufer an. Wir navigierten gemeinsam. Nette Gespräche, und ich sah alles positiv. In Müngersdorf das Stadion. Schon beeindruckend, wie viel Grün die Stadt Köln doch zu bieten hat. An und durch Lindenthal, Klettenberg, Raderthal und Rodenkirchen liefen wir. Längst war es hell, und die Sonne nahm heftig ihre Arbeit auf. Man musste genug trinken. Es gab genug zum Trinken an den VPs!

Besonders anstrengend war auch die Strecke bei Rodenkirchen, die durch Sumpfgelände mit Pappeln und sehr vielen hungrigen Mücken führte. Ich erschlug einmal neun Stück auf einem Streich. Mehr als das tapfere Schneiderlein und hoffte, dass die Artgenossen nicht zu deren Beerdigung kommen würden und auch, so meine Tapferkeit unterstrichen zu haben, dass ich den Lauf überstehen würde. Ich hatte mit diesen blutdurstigen Geschöpfen leider keinerlei Mitleid! An der Fähre war ein Kontrollpunkt. Keine Chance über den Rhein unbemerkt übersetzen zu können.

Da mussten wir schon hin laufen.

Weiter durch Rodenkirchen und den Rhein neben uns im Blick. Über die Brücke und im grellen Sonnenlicht zum Verpflegungsstand, den Susanne betreute. Ein wunderbares Erlebnis.
Viel Lachen und Wiedersehensfreude. Thomas und seine Frau wollten sich dort noch etwas länger ausruhen und so blieben meine Begleiter für viele Kilometer, hinter mir. Ich sah sie dann kurz hinter mir am VP7. Sie wollten ja bei 110 Km aussteigen. Die neue 110 Km Strecke hatte Tom kurzfristig ins Programm genommen. Immer wieder überholten uns schnelle Staffelläufer.
Bald sah ich Kalle wieder, den ich beim Start getroffen hatte.
Noch lief er vor mir.


 
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Etwas erholen.
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Danach im Ziel.

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Die Hunde durften baden.
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Warten auf die Siegerehrung und das Buffet.

Die Sonne hatte vor, einige von uns Läufern umzubringen, oder wenigstens zum Aufgeben zu zwingen. „Nichts da!“, sagte ich mir und lief mutig von Lülsdorf an durch die endlosen Felder, die so friedlich und harmlos in der ätzenden Sonne lagen. Interessant und für Ablenkung sorgend war der Modellflugplatz, wo immer wieder ein Düsenflieger in den Himmel stieg. Bald ein sehr großes Modell eines Propellerflugzeuges. Aber alles zu klein, die Sonne zu bedecken.

Libur bot Gelegenheit, in den Schatten zu gehen.
Endlich Schatten.
Ich setzte mich etwas hinter eine Häuserwand. Kreislauf stabilisieren.
Alles gut!
Dann schaute ich zu einer Gaststätte. Etwa acht nette Radfahrer, die auf ihrer Tour auf dem Kölnpfad schon viele Läufer gesehen hatten, saßen draußen und sahen mich an.

Neugier.

Ich sah zur Gaststätte und einer fragte, warum ich so schauen würde. „Ich überlege, ob ich mir ein alkoholfreies Weizen genehmigen sollte!“ Sie riefen mich zum Interview. Einer meinte, als ich nach meiner Bestellung das Geld hervorholen wollte, er würde bezahlen. Ich bedankte mich und gab einiges über die Veranstaltung hier, den Kölnpfad, und über mein Läuferleben dafür preis.
Und erntete Anerkennung.

Wir flachsten herum und ich trank mein Bier genussvoll. Es war kühl und alkoholfrei. Ich war wieder gut dabei auf der Strecke. Wir hatten uns freudig verabschiedet. Die Kölner sind ein fröhliches und nettes Volk!
Bei Lind durfte ich dann im Teilschatten der Bahndammbezaunung laufen. Schön.

Abschied von der "giftigen" Sonne!
Vor der Wahner Heide wusste ich nicht mehr, wann der VP kommen würde und bat in Grengel einen kleinen Jungen, der mit seinem Bruder im Garten Fußball spielte, mir etwas Wasser in die Flasche zu füllen. Bald kam sein Vater und brachte mir eine eiskalte Flasche mit köstlichem Wasser. Er meinte, er würde doch einen Kölnpfadläufer nicht vor seiner Tür verdursten lassen.

Alles gut.
Der VP kam dann auch bald. Kalle war auch da.

Dann durch die Wahner Heide.
Ich schaute mir etwas abseits der Strecke die Heide an.
Wunderschön der Abend. Ein Reh kreuzte meinen Weg.

Dann mitten im Königsforst. Hier lief ich schon Marathon und auch zur Probe für den Kölnpfad mit Joachim.
Und das war gut so.
Ich verlief mich hier nicht.
Bis Bensdorf nicht. Kalle hinter mir genoss es, dass ich den Weg schnell fand.
Vor Bensberg verlor ich ihn aus den Augen.
Im Ort selber war besonders auffallend, dass hier wie wild gerast wurde. Grauenhaft und ich musste aufpassen.
Ein Helfer meinte, dass hier Ausschilderung und GPX- Daten auseinander liefen.
Gut, dass war öfter so. Ich fummelte mich durch Bensberg.

Ein Staffelläufer überholte mich und meinte, noch ca. sechs Kilometer bis zum nächsten VP, von wo es dann nur noch 27 Km bis zum Ziel wären. Aufmunternde Worte fand er und Anerkennung in seiner Stimme hörte ich.
Ja.
Jetzt ging ich schon viele Streckenabschnitte und fand meistens nur zu schnellem Gehen zurück. Dann der für mich anstrengendste Teil.

Kalle traf ich auf einer Bank mitten im Wald an. Jetzt kam eine Strecke an einer Eisenquelle vorbei, die zuerst tief in eine Senke führte, um dann endlos steil hoch zu führen.
Das brauchte viel Kraft.

Nicht selten fluchte ich ob der Anstrengung. Aber ich hatte mir das ja vorgenommen. Und ich wurde immer langsamer.
Die Straße nach Breite herunter lief ich schon wieder. Radfahrer leuchteten mich an und fragten, ob ich Björn wäre.
Zwar fühlte ich mich wie Bjöns Schuhe: kaputt und irgendwie auseinanderfallend. Ich war aber nicht Björn.

Sie fanden den Staffelläufer aber bald und überholten mich auf einem steil nach unten und nach Oberlerbach führenden Grasweg. Ich wurde jubelnd dort am VP 9 empfangen und verpflegte mich, wechselte die Batterien der Lampen und des Navigationsgerätes aus. Nur meine körpereigenen Batterien blieben so halbleer oder mehr ausgelutscht, wie sie waren.

Joachim rief mich an und er startete bald von zu Hause, um mich auch den letzten Kilometern zu begleiten. Ich war abgelenkt und „raste“ nach Heidkamp herunter. Das war aber nicht richtig!

Fand aber bald die richtige Richtung, um auf die Strecke zurückzukommen. Zur Strafe mit einigen Höhenmetern und mehr Kilometern. Das musste wohl so sein!

Kalle traf ich auch wieder.
Wir fanden immer wieder zusammen auch die Strecke.
Jetzt war die Markierung schon mit leuchtenden Merkern bedacht. Irgendwo bei Refrath kam mir ein leuchtendes Sternchen entgegen. Joachim fragte, von meiner Stirnlampe geblendet, ob ich ein Kölnpfadläufer sei.
Ich war es!

Wer sollte sonst hier um dieser Zeit unterwegs sein? Freudiges Wiedersehen.
Einfach klasse, was er da gemacht hat. Mich ausgelaugten Läufer, jetzt mehr Geher durch die Nacht, zu begleiten. Ja, ab und an fluchte ich. Aber ich war sicher auch mit meinem euphorischen, netten Wortschwallen nicht einfach zu ertragen.
Es waren doch die Endorphine.
Joachim hat alles richtig gemacht. Geduldig mich beschwichtigt, angestachelt, auch getrieben und mir beigestanden, wenn ich fast alles aufgegeben hätte.
Ich blieb im Rennen.
Musste mich ab und an aufstützen. Mit den Händen auf meine Knie und wollte nicht schlafen, wenn ich auf einer Bank für Minuten saß und Angst hatte einzuschlafen.
Es ging immer weiter.
Mal einen Kilometer in zehn Minuten, mal brauchte ich fünfzehn Minuten dafür. Manchmal übertrieb ich und lief einige hundert Meter. Endlich beschloss ich, zehn Minuten sitzend zu schlafen.
Das war richtig.

Danach ging es mir gut.
Ich wurde wieder etwas schneller und konnte manchmal, wenn auch sehr langsam, wieder laufen.

Die letzten drei Kilometer zogen sich hin, wie die Wochen vor Weihnachten, als ich gerade sechs Jahre alt war, und es nicht erwarten konnte.
Und es wurde doch Weihnachten. Fünfhundert Meter vor dem Ziel drehte ich völlig ab und lief, als wäre ich am Start auf den ersten hundert Metern.

Überhaupt war ich etwas verrückt in der Nacht. Die Vögel riefen mir Sätze zu wie: „Lauf ins Ziel.“, „Viel Glück!“, „Halte durch!“, „Lass mich zufrieden!“ und allerhand anderen Kram. Einsam im Wald, mit Schatten, die mir sagte, da wäre jemand im Wald direkt hinter mir. Einmal erschrak ich, weil meine Trinkflasche ein Geräusch machte, und ich dachte, da wäre jemand, der, direkt hinter mir, etwas wollte. Da konnte ich laufen. Und ein Wildschwein hatten Joachim und ich aufgeschreckt.

Nicht schlimm.
Es lief in den Wald.
Dann, endlich, die letzten hundert Meter. Ich sammelte mich.

Stolz war ich schon im Ziel.

Verdammt hart war das schon!

Joachim machte Fotos. Die Fotografin machte Fotos. Ich lief zwei mal über die Ziellinie. Ich wäre noch öfter darüber gelaufen, hätte man mich dazu aufgefordert. Wahrscheinlich bis die Batterien alle gewesen wären. Ich war so glücklich, es geschafft zu haben.
Und da waren sie wieder. All die netten Leute im Ziel.
Irgendwann war ich erstversorgt und ging zu den warmen Duschen. Normal war ich noch lange nicht. Eher noch ziemlich trunken und verrückt.
Kölsch vielleicht?
Langsam, vorsichtig ausziehen. Einige Spuren hat die Veranstaltung schon hinterlassen.

Nicht nur die paar Blasen!
Da waren die netten Leute, die Gespräche und das: „Ich hatte es geschafft!“
Dann ruhte ich Stunden. Dagmar kam und Charly lag neben mir auf der Decke in der Morgensonne.
Ich erholte mich etwas und bald gab es das leckere Buffet.
Die Siegerehrung und mehr.
Eine sehr schöne, beeindruckende Veranstaltung.
Vielen Dank an alle, die das ermöglichten.


 Letzte Änderung: 11.07.2016 (III. Korrektur) © Joerg Segger