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2018 Kölnpfad (30.06.2018)



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Vor dem Start.
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Übermut. Oder Lampenfieber?


   “Auf dem Kölnpfad unterwegs"

Er kommt so harmlos daher. Doch ist er schwer: Der Kölnpfad!

Ich lief zum dritten Mal. Dabei wusste ich doch, dass es nicht einfach werden wird. Zuerst den ZUT laufen und zwei Wochen später dann den Kölnpfad. Aber „des Menschen Wille ist sein Himmelreich“. Das habe ich mal irgendwo gelesen. Geplant war eine Teilnahme am Kölnpfad. Das sollte reichen und ich lief dort 2016 zum ersten Mal. Die Organisation und sonst alles drum herum hat mir gut gefallen. Tom und Torsten kannte ich auch schon einige Zeit und alles war gut. Im letzten Jahr lief ich vorher den ZUT mit 102 Km und ca. 5480 Höhenmetern. Das ging gut und war Teil meiner Vorbereitungen für die Alpenüberquerung (AC-DC 2017).
Irgendwann 2017 beschloss ich, es noch einmal genau so anzugehen. Zuerst ZUT und dann Kölnpfad.

Es sollte sehr warm werden zum Kölnpfad. Keine so guten Aussichten. Die Strecke führt zwar viel durch den Kölner Grüngürtel aber eben auch bei voller Sonneneinstrahlung, am Tage, über freies Feld oder durch Ortschaften.
Also Zeit zum Grillen.
Leider konnte ich am Freitag vor dem Start um 24:00 Uhr bzw. Samstag 00:00 Uhr nicht, wie geplant frei nehmen. Daher musste ich versuchen, noch etwas am Freitag Abend im Zelt vorzuschlafen.
Wir fuhren dann etwa 18:30 Uhr nach Köln und nach einigen Kilometern gleich in den ersten Stau!

Als wir dann endlich in der Bezirkssportanlage Thuleweg waren, grüßten wir in die Runde, holten meine Startunterlagen ab und bauten das Zelt auf. Dagmar übernachtete im Hotel. Charly war dabei. Ich schwatzte noch etwas mit Helfern und Läufern, bevor ich mich ins Zelt legte.

Als ich mich dann für den Lauf fertig machte und aus dem Zelt kletterte, sah ich Geli. Einige Zeit hatten wir noch vor dem Start zum Erzählen. Die Stimmung war gut. Stunden vor dem Start, als ich im Zelt versuchte zu schlafen, konnte man hören, wie die Aufregung zum Start hin, sich von lautem, aufgeregtem Erzählen, zu leiseren Tönen wandelte.
Dann standen wir am Start. Torsten und Tom gaben uns zum Lauf noch die letzten Hinweise. Die Tracker, mit denen man die Läufer verfolgen konnte, waren eingeschaltet und gut an den Läufern angebracht.
Geli wünschte mir noch viel Erfolg!
Ab ging es.
Ich lief sehr verhalten los und checkte mal in Gedanken meinen Körper durch. Irgendwie war ich nicht komplett fit. Zumindest schien es mir so. Jedes Jahr ist anders. Ich dachte mir, dass ich letztes Jahr vor dem Kölnpfad besser drauf war. Aber das konnte auch täuschen.

Nach einigen Kilometern gesellte sich Ralf zu mir. Als wir dann 0:50 Uhr an einem Thermometer vorbei liefen, zeigte dieses noch 19 Grad Celsius an. Die Temperatur würde sich noch eine Weile halten. Immer wieder schaltete ich die Stirnlampe an. Nur nicht wieder fallen, wie in 2017. Damals, nach etwa 18 Km, fiel ich auf einer Brücke. Ich war an einer der Bohlen hängen geblieben.
Also lieber etwas vorsichtiger laufen.
Langsam merkte ich, wie der gesamte Körper sich auf Laufen einrichtete.
Von Flittard nach Stammheim hatte ich dann meinen Laufrhythmus gefunden. Ich hatte, meiner Meinung nach, ausreichend Akkus für das Navi und die Stirnlampen mit. Leider stellte ich bald fest, dass die Akkus der Taschenlampe verbraucht waren.
Die hat sich selbst angestellt und war nun leer. Inzwischen habe ich eine andere Taschenlampe mit einem Sicherheitsschalter. Die neue Lampe wird sich nicht mehr selbst einschalten können.
Der Kölnpfad! Ein Abenteuer in der zivilisierten Welt.
Ein kleines Abenteuer für etwa 170 Km in zwei Nächten und einem Tag, wie in einer Bratpfanne, sollte beginnen.

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Sonntag Nachmittag kurz vor dem Buffet.
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Zelte.

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An der Strecke.
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Am Rhein entlang.



Dann hatte ich also doch noch ein gutes Laufgefühl. Etwa acht Kilometer lagen hinter mir.
Ich stellte die Stirnlampe ab, der Weg am Stammheimer Ufer war ja beleuchtet. Schön, hier zu laufen, dachte ich und fühlte mich richtig gut.
Ich nahm den Radweg, weil er mir ebener erschien. Eine Lampe der Uferbeleuchtung an einem Baum.
Schatten auf dem Radweg.
Ich glitt dahin und dann?
Ich hakte hinter einen Stein und fiel in Hochgeschwindigkeit auf den Radweg.
Klatsch!
Zuerst dachte ich: Das war es jetzt! Schluss mit dem Laufen!
Mindestens für 2018!

Gerade konnte ich noch die Hände nach vorne bringen. Zum Glück machte ich seit Monaten Liegestütze und habe so bessere Voraussetzungen einen Sturz abzufangen.
Die Hände schlugen auf die Steine, das rechte Knie schlug fast gleichzeitig auf und dann dieser wahnsinnige Schmerz in der Rippengegend. Ich dachte gleich, da sind jetzt Rippen gebrochen, das Knie kaputt und Ende, Schluss mit dem Kölnpfad in 2018! Ich lag da und jemand, der in der Nähe auf einer Bank gesessen hatte, wollte mir aufhelfen. Ich lag da und kontrollierte meinen Körper.
Der Trinkbecher hatte eine Rippe stark geprellt.
Langsam ließ der Schmerz nach und es schien nichts gebrochen zu sein. Gut so.
Das Knie blutete.
Nicht schlimm.
Die Handfächern waren geprellt und aufgeschlagen.

Blut rann in die Stellen, wo die Haut abgeschliffen war.
Ich ließ mir aufhelfen.

Beantwortete die Fragen des Mannes etwas unkonzentriert.
Ja, wir laufen hier. Rund um Köln. Mal sehen, ob ich weiterhin dabei bin. Ich zweifelte. Ich lief langsam an und es ging. Nicht so toll, aber es ging.
Ich lief langsam.
Nach einigen hundert Metern hielt ich an, holte mein Verbandmaterial heraus, säuberte die Wunden und sprühte Flüssigpflaster darauf.
Dann lief ich weiter zum ersten VP. Läufer, die mich überholten, erkundigten sich danach, wie es mir ging. Aber die Reise ging immer weiter.

Nun, ich lief ja.
Jetzt muss man ans Trinken denken. Viel trinken! Die Hitze trocknet aus.
Ich trank immer genug an den Versorgungsstellen.
Der Lauf ist gut mit Vps bestückt. Überall nette Helfer, gute Verpflegung und ausreichend Getränke.
Aber man muss ja auch soviel Flüssigkeit aufnehmen können, wie man braucht.
Auf der Mühlheimer Brücke ging bzw. lief es bei mir wieder ganz gut.
Ralf kam mir entgegen. Er hatte am VP eins etwas vergessen.

Ihn sah ich dann auf der gesamten Strecke nicht mehr. Jetzt passte ich besonders auf, nicht mehr zu stolpern und zu fallen. Allerdings stolperte ich immer wieder in dieser und auch in der folgenden Nacht. Aber zum Glück fast immer, ohne zu fallen.
Nur einmal konnte ich es nicht verhindern.
Davon später mehr.
Dann der See an der Oranjehofstraße und bald der VP2. Hier stieg Frank leider aus. Er hatte den STUNT100 hinter sich und seine Adduktoren spielten an dem Abend verrückt. Die Gesundheit geht vor! Besser, man steigt dann aus, als sich kaputt zu laufen!

Die Strecke war 2018 an vielen Stellen besser zu finden, aufgrund der jetzt zahlreicher angebrachten Katzenaugen. Zusätzlich gibt es Markierungen, die auch durch die kurzfristig erforderlichen Streckenänderungen bedingt waren. Anforderungen aufgrund privater Wegverhinderungen mussten berücksichtigt werden. Abstimmungsprobleme mit Vertretern von Gemeinden. Wenn wir nicht durch den Königsforst laufen dürfen, stellt sich die Frage warum?
Das war sicher nicht einfach.
Insgesamt hat das gut geklappt.

Laufwegverirrungen, die wohl jeder auf der langen Strecke hatte, resultieren ja auch aus Müdigkeit oder Vegetationswachstum, wenn die Kölnpfadschilder zugewuchert sind. So lief ich dann etwa sechs Km mehr. Die Strecke des Kölnpfades bietet die Durchquerung von Stadtgebieten, Industriegebieten und auch kleinere Ortschaften, die eingemeindet sind, den Kölner Grüngürtel und weitere, schöne Abschnitte. Besonders in der zweiten Nacht, im Wald, muss man auch auf die Bodenbeschaffenheit achten. Man benötigt gute Lampen, um nicht an Wurzeln oder Steinen hängen zu bleiben.

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Schön: Kölner Grüngürtel.
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Unterwegs.

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Die Morgensonne wirft lange Schatten.
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Wege zwischen den Feldern.



Am VP3 begrüße mich wieder Florian. Tolle Verpflegung!
Ich ließ mir Kaffee reichen und aß Melone.
Noch ging es gut.
Die Schmerzen an Rippe, Knie und Handflächen waren inzwischen erträglich.
Immer wieder ein See.
Der Morgen war schön.
Die Sonne brannte bereits.

Das ließ einen sehr heißen Tag erwarten. Bald lief ich einige Zeit mit Alex, der bereits den vierten Versuch startete, den Kölnpfad zu Ende zu bringen. Diesmal wird er es schaffen. Das Müngersdorfer Stadion. Dagmar war da. Sie besah sich meine Wunden.
Ich versicherte, dass ich weiter laufen könne, und bald tat ich das auch. Wir trafen uns dann noch am VP Susanne wieder.
Das war schön.
Es war sehr heiß!

Noch konnte ich genug trinken. Noch ging es mir ganz gut. Ich hielt mich nicht so lange an den Verpflegungsstellen auf. Lange Wege am Rhein entlang in der Sonne. Besonders auch von VP06 hin zu VP07.
Am VP07 war Dagmar wieder da. Wir unterhielten uns kurz. Ich ruhte mich etwas aus, und weiter ging es. Ich erfuhr, dass viele Läufer wohl aufgrund der Hitze ausgestiegen waren. Ein besonders schwerer Streckenabschnitt lag jetzt vor mir. Nicht nur wegen der Hitze. Kurz vor VP08, auf dem Rheinradweg, hätte mich ein älterer Radfahrer angefahren, wäre ich nicht gerade noch so zur Seite gesprungen. Der war einfach zu schnell mit dem E-Rad unterwegs.

Vor Libur dann der Modellflugplatz. Die Sonne brannte heftig. Die Grillpfanne mitten in den Getreidefeldern. Ich mittendrin. Die Luft flimmerte.
Immerhin sah ich in einem Getreidefeld ein großes Glas alkoholfreies Weizenbier.
Alkoholfrei und für mich. Fantasieren darf man doch. Das Bier bewegte sich in Richtung Libur. Da wollte ich ja hin!
Also würde ich es wiedersehen. Und ich würde es nicht entwischen lassen!
Langsam fiel es mir immer schwerer, auf den Wegen mit den Schottersteinen zu laufen. Ich mag diese Schottersteine überhaupt nicht! Der Weg war wie Rührkuchen mit Puderzucker, mit diesen Schjottersteinen überstreut. Aber in Libur trank ich dann zwei kalte, alkoholfreie Weizenbiere.
Klasse!
Im Wirtshaus Helfer half man mir so sehr damit!
Der Wirt dachte zuerst, ich hätte das Bier weggeschüttet. Klar, habe ich! Aber durch meine Kehle direkt in den Magen!
Die Strecke zog sich jetzt in der Hitze immer mehr in die Länge.
Asphaltierte Wege, wie dicke, schwarze Kaugummi. Aber es war der Radweg, der Weg, auf dem ich lief. Schneckentempo. Trotzdem: Ich lief. Sehr langsam. Nach dem alkoholfreiem Bier konnte ich immerhin wieder langsam laufen!

Dann endlich Köln Wahn. Ein Wahnsinn wieder mal, hier zu laufen. In der Wahner Heide lief es sich noch ziemlich gut. Langsam wurde es dunkler. Die zweite Nacht kam langsam aber stetig. Leider durften wir nicht durch den Königsforst laufen. Dafür hatten wir dann eine nicht so schöne Strecke an einer stark befahrenen Straße nach Forsbach zu laufen. Das war ätzend!
Die Raser in ihren Kisten. Die Raser schienen Freigang zu haben.
Das war nervend an der Straße.
An der nächsten Straße Richtung Alt-Frankenforst entlang war es nur ein wenig besser. Dann endlich der VP10 in Bensberg. Ich aß etwas Linsensuppe und trank Kaffee. Es lief immer noch einigermaßen. Man musste jetzt wieder aufpassen, die geänderte Streckenführung zu finden.
Alles gut!

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VP07: Trinken. Es wart sehr heiß!
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Ballonfahrt. Über uns.


Nicht immer sah man die Wegmarkierungen gut.
Noch konnte ich längere Strecken laufen. Natürlich ziemlich langsam. Immer langsamer. Jetzt rechnete ich mir die Endzeit aus und würde wieder etwa 29 Stunden bis ins Ziel brauchen. Gut so. Lange war es nicht her, da rechnete ich mit 27 bis 28 Stunden Laufzeit in 2018. Aber es war ja so warm, und die Strecke war nicht immer einfach zu finden. Ab der Saaler Mühle lief ich immer wieder mit 50Km Wanderern gemeinsam, die etwa so schnell waren wie ich. Mein Glück. Ab und an war ich mal etwas schneller, ab und an wanderten sie schneller. Dadurch holten wir uns immer wieder gegenseitig ein.

Es wurde immer anstrengender. Die Strecke schien irgendwie länger zu werden. Jeder einzelne Kilometer schien sich mit jedem Schritt zu verlängern. Ganz langsam rückte trotzdem der letzte VP 12 vor dem Ziel näher.
Meinen Stirnlampen ging es wie mir, wir hatten kaum noch Energie. Die Akkus dafür waren alle eingebaut und fast verbraucht.

Aber ich hatte ja noch meine Taschenlampe. Am VP12 begrüße ich Alex, Björn und Désirée. Im Naturschutzgebiet Am Hornpottweg war es wohl besonders dunkel.
Eine Wanderin wäre fast, mit dem Navi in der Hand, ins Wasser gegangen. Der See lag in der Dunkelheit.

Ich hakte hinter eine Wurzel. Ich stürzte, wie ein gefällter Baum. Hatte ich irgendwie wieder zum Laufen gefunden, wurde es mir jetzt zum Verhängnis. Ich war zu schnell, um den Sturz abzufangen.
Ich fiel in den Dreck.
Ab auf den Waldweg.

Ich verstauchte mir unangenehm den rechten Daumen, fiel wieder auf die Knie und die Handflächen und die Taschenlampe war kaputt. Ich hatte kaum noch Licht! Mist! Aber ein Wanderer half mir mit seiner Reservelampe aus. Die letzten Kilometer brachte ich dann den Weg suchend, wie die Wanderer, hinter mich. Es war nicht einfach.
Aber es ging.
Ich lief dann irgendwann ins Ziel.
Beifall.
Ein Getränk und etwas zum Essen fand ich dann auch.

Die Duschen war warm und bald schlief ich etwas. Gegen Mittag stand ich auf. Dagmar war da und Hiltrud mit Joachim. Bald waren die Ehrungen der Helfer, Wanderer und Läufer. Das Buffet war wieder klasse. Also alles wieder gut!

 Letzte Änderung: 13.07.2018 (III. Korrektur) © Joerg Segger


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Weite.
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Schloss in Bensberg.